Die Sahara - XXL Naturwunder (15)

Wo die Tiere nie Hitzefrei haben...
Die Sahara
Wo die Tiere nie Hitzefrei haben...

„Bar bela mar“ - Meer ohne Wasser nennen die Nomadenstämme Nordafrikas die sengende Sandwüste Sahara. Sie ist die extremste und größte Wüste der Welt. Eine Unendlichkeit aus Geröll, Sand und Felsen. Die Sahara bedeckt mit einer Fläche von 9 Millionen Quadratkilometern den größten Teil Nordafrikas: 6000 Kilometer vom Atlantik bis zum Roten Meer und 2000 Kilometer vom Mittelmeer bis zur Sahelzone. Europa fände darin bequem Platz.

Die Region zählt zu den niederschlagärmsten der Erde. Manchmal fällt jahrzehntelang kein Regen, die Luftfeuchtigkeit liegt im unteren einstelligen Bereich. Im Sommer herrschen tagsüber Temperaturen von bis zu 55 Grad Celsius, nachts kühlt es auf Minusgrade ab. Über der Sahara gibt es keine Wolkendecke, von der die Wärme am Boden gehalten würde. So kommt es zu extremen Temperaturschwankungen, wodurch das Gestein nach und nach in immer kleinere Teile birst. Durch die Verwitterung entsteht schließlich der Sand, der vom Wind fortgetragen wird. Die Geburtsstunde der berühmten Sanddünen.

Trotz der unwirtlichen Bedingungen ist die Sahara ein lebendiger Lebensraum. Faszinierende Überlebenskünstler schaffen es, den widrigen Bedingungen zu trotzen. Wüsten stellen Tiere vor extreme Herausforderungen. Sie müssen sich vor Überhitzung schützen und große Temperaturschwankungen aushalten, mit wenig Nahrung auskommen, hohe Dosen an UV-Licht vertragen und gegen den Wind ankämpfen, der die Austrocknung fördert. Beutetiere finden wenig Schutz und Raubtiere kaum Deckung. Hinzu kommt die permanente Wasserknappheit und die Verdunstung, welche die Tiere Wasser verlieren lässt.

Aufgrund dieser Bedingungen ist die Artenvielfalt gering. Dennoch gibt es in der Sahara rund 50 Säugetierarten, darunter einige der erstaunlichsten der Erde. Allen voran das Kamel. Die "Wüstenschiffe" sind von Kopf bis Fuss perfekt angepasst. Ihre Körpertemperatur ist variabler als die der meisten anderen Säugetiere und kann um 6 ° bis 8° Grad schwanken, was das Schwitzen stark vermindert. Eine Besonderheit sind die Roten Blutkörperchen die nicht rund, sondern oval sind. Diese Form bewirkt, dass Kamele in kürzester Zeit sehr viel Wasser aufnehmen können. Bis zu 200 Liter in 13 Minuten! Damit kommt das Tier dann bis zu 12 Tage aus. Die Höcker dienen als Fettspeicher, so dass die Tiere auch eine lange Zeit ohne Nahrung auskommen können. Und zur Not kann das Kamel auch dornige oder salzhaltige Pflanzen fressen.

Auch die anderen Wüstenbewohner wissen sich zu helfen. Antilopen können Wasser über weite Entfernungen und in großer Tiefe wittern. Sie folgen den unterirdischen Adern bis zur nächsten Oase. Auch haben Addax-, Mendes- und Oryx-Antilopen besonders breite, spreizbare Hufe, damit sie nicht im Sand einsinken. Daher gehören auch sie zu den wenigen Säugern, die man in den Kernzonen der Sahara antrifft. So wie der Fennek.
Zentralsahara Dornschwanz, Uromastyx acanthinurus, Afrika
Gepardin (Acinonyx jubatus), beim Lauftraining, Cheetah Conservation Fund, Namibia, Afrika
Kameltrekking, Erg Chebbi, Marokko, Afrika
Weisse Mehari-Reitdromedare der Tuaregnomaden weiden in kargem Buschland am Rande einer Oase im Akkakus-Gebirge, Sahara, Libyen / White Mehari dromedaries pasturing in meagre shrub land on the edge of an oasis in the Acacus mountains, Sahara desert, Libya
Der kleinste aller Wildhunde lebt in besonders sandigen Gebieten. Um der Tageshitze zu entkommen, sind Fenneks ausschließlich nachtaktiv. Sie leben in kleinen Verbänden von fünf bis zehn Tieren in dicht unter der Oberfläche verlaufenden Gängen. Bei Gefahr kann sich ein Fennek blitzartig in den Wüstensand eingraben. Gefressen werden Mäuse, Eidechsen und Heuschrecken. Seinen Wasserbedarf deckt der kleine Wildhund aus der Nahrung. Mit seinen großen Ohren kann er die leisen Tapser einer Wüstenmaus noch in 40 Metern Entfernung hören. Zugleich dienen die riesigen Lauscher dazu, Wärme an die Umgebung abzugeben. Praktisch!

Mitten in der Sahara gibt es skurile Tiere, die man eher in Feuchtgebieten vermuten würde. Schildkröten, Echsen und Skinke haben Wege gefunden, der Wüste zu trotzen. Dornschwanzagamen können Feuchtigkeit über ihre Haut aufnehmen. Dank dieser Fähigkeit müssen die erstaunlichen Echsen nie trinken. Am Tag sind sie quittengelb und in der Nacht rabenschwarz. Das dient der Tarnung und zugleich als Schutz vor der Strahlung. Viele Agamen und Echsen besitzen die Fähigkeit, Feuchtigkeit mit Hilfe spezieller Luftsäcke an den Lungenflügeln aus ihrer Atemluft zu filtern. Jeder Tropfen Wasser ist wertvoll!

An den Randzonen der Sahara wird das Leben vielseitiger. Klippschliefer, Schakale, Erdmännchen, Strauße und sogar Geparden kann man häufiger sehen. Strauße lieben offene Landschaften, weil sie schnelle Läufer sind, aber nicht fliegen können. Da sie ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf aus der Nahrung beziehen, benötigen sie keinen Zugang zum Wasser. Sie können große Wüstenstriche durchqueren. Den Klippschliefer findet man in den felsigen Regionen. Die geselligen Tiere verstecken sich gerne in Felsspalten. Kaum zu glauben, dass die kaninchengroßen Tiere die nächsten Verwandten der mächtigen afrikanischen Elefanten sind.

Geparde leben bevorzugt in Halbwüsten und Savannen. Sie vermeiden Busch- und Waldland, weil sie bei der Jagd von ihrer Geschwindigkeit abhängig sind. Je offener die Fläche, desto besser. Die eleganten Jäger sind perfekt an ein Leben in kargen Umgebungen angepasst. So wurden Geparde dabei beobachtet, wie sie ihren Durst am Blut der Beute gestillt haben oder Wassermelonen verspeisten, was schon sehr ungewöhnlich für eine Raubkatze ist. Not macht erfinderisch!

Die Sahara gehört zu den wenigen Lebensräumen dieser Erde die nicht bedroht sind. Im Gegenteil: Aufgrund des Treibhauseffektes dehnt sie sich weiter aus. Auch Teile Südeuropas sind bereits betroffen.


Copyright: Michael Krabs
Fotos: Zoonar

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