In Massen geboren – zum Laufen bestimmt

250 000 neugeborene Gnus in zwei Wochen
Die hochauflösende D3X gilt als Pixelwunder. Rund 25 Megapixel  erlauben im Vollformat allerdings nur maximal fünf Bilder pro Sekunde und 25 Bilder in Reihe. Ist das eine Kame-ra für die Naturfotografie? Bei einer Exkursion zu den Geburtsplätzen der Gnus in Tansa-nia habe ich die Kamera ausprobiert und mit anderen Kameras des Nikon-Systems vergli-chen. Damit hier keine Missverständnisse auftreten: Ich habe keinen umfänglichen Test dieser Kamera veranstaltet, sondern ihre Verwendbarkeit ausschließlich für meine Be-dürfnisse in einer ganz eng begrenzten Situation untersucht. Die Ergebnisse sollen hier durch Bildbeispiele belegt werden. Insgesamt habe ich je ein Gehäuse der Vollformatka-meras D3 und D3X und eine D300 mitgenommen, dazu neben kürzeren Brennweiten die Telezooms 70-200/2.8 und 200-400/4.0 sowie ein 600/4.0. 

Die Serengeti ist die Schaubühne für das größte Naturspektakel auf dieser Erde: die im-merwährende Wanderung der Gnus. Zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Gnus le-ben hier. Ein Großteil von ihnen wandert ununterbrochen im Uhrzeigersinn im Seren-geti-Ökosystem herum. Sie weiden das Gras der Savanne ab und ziehen dann weiter. Der Bewuchs erholt sich in der anschließenden Regenzeit, und der Kreislauf beginnt von vorn - eine ausgeklügelte Anpassung der pflanzenfressenden Huftiere an den Lebensraum dieser Graslandschaft. Spektakulär sind die Überquerungen des Mara-Flusses. Gute zwei Monate halten sich die riesigen Wanderherden im Massai-Mara-Schutzgebiet auf, dem nördlichsten Teil des Serengeti-Ökosystems. Dann ziehen sie wieder nach Süden. Im Februar erreichen sie die Ebenen im Südosten des Gebietes. Dort kann man dann ein weiteres faszinierendes Ereignis bewundern: Hunderttausende von Gnus bringen innerhalb weniger Tage ihre Jungen zur Welt. Das ist eine Schutzmaßnahme für die Gnus: Je kürzer die Zeit ist, in der die wehrlosen Jungtieren zur leichten Beute der Raubtiere werden, desto weniger von ihnen werden insgesamt gefressen. 

Oft schon habe ich die Gnus bei der spektakulären Durchquerung des Mara-Flusses fotografieren können. In diesem Jahr wollte ich zum ersten Mal das Kalben der Gnus und die Jagd der großen Beutegreifer auf die Kälber im Bild festhalten. Zunächst galt es, den richtigen Ort und die richtige Zeit für das gemeinsame Kalben herauszufinden. Nach allen vorliegenden Informationen befinden sich die Wurfplätze außerhalb der Grenzen des eigentlichen Serengeti-Nationalparks im Ngorongoro-Conservation- Area-Schutzgebiet in der südlichen und östlichen Serengeti. Dort habe ich mich zusammen mit einem befreundeten Kollegen für die letzte Januar- und erste Februarwoche in einem mobilen Camp eingebucht in der Hoffnung, damit den genauen Geburtstermin der meisten Kälber zu treffen. Theoretisch ist dieser Zeitpunkt genau der richtige, aber heute wissen wir, dass wir unglaublich viel Glück gehabt haben. Denn erst Mitte Januar begann es diesmal zu regnen. Zwei Wochen später, und die Reise wäre für die Katz ge-wesen. Denn dann hätten wir das Kalben nicht mitbekommen. 

Wir warten zunächst vergeblich. Obwohl es täglich regnet, sind kaum Gnus anwesend. Doch weil sehr viele Steppenzebras und Thomsongazellen mit ihren Jungen die Grassa-vanne bevölkern, bleiben wir zuversichtlich. Diese Arten gehen den Gnus auf der Wanderung voraus. Schließlich gelingt es uns sogar, eine erfolgreiche Jagd einer Gepardenmutter auf ein Thomsongazellenbaby zu fotografieren. Dabei war selbstverständlich die D3 mit ihren 9 Bildern pro Sekunde die Kamera der Wahl, und so sind in Verbindung mit dem 600er sehr viele gelungene Bewegungsstudien bei dieser Jagd entstanden. 

Endlich - am dritten Tag - erscheinen die Gnus.  Ein Tier nach dem anderen zieht über die Savanne. Ihr stoisches Beharren wirkt unheimlich. Durch nichts sind sie aufzuhalten. Die Reihe der Gnus scheint ohne Anfang und ohne Ende - wie der Zug der Gnus selbst. Bald ist die ganze Savanne bedeckt von ihren dunklen Körpern. Abertausende von hochschwangeren Weibchen sind an ihrem Leinesumfang zu erkennen. Aber keine Jungen sind zu sehen. Auch am folgenden Tag nicht. 

Am darauffolgenden Tag werden endlich die ersten Kälber geboren, im Schutze der Her-de und etwas versteckt im lockeren Baumbestand der Savanne. Die Herden sind in stän-diger Bewegung, selbst die Mütter, bei denen die Wehen längst eingesetzt haben, wan-dern mit. Als wir heranfahren und fotografieren wollen, erleben wir eine unliebsame Überraschung. Nähert man sich mit dem Auto auch nur auf weite Distanz, entfernen sich alle Weibchen sofort.
In Massen geboren – zum Laufen bestimmt
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In Massen geboren – zum Laufen bestimmt
In Massen geboren – zum Laufen bestimmt
In Massen geboren – zum Laufen bestimmt
Selbst wenn der Geburtsvorgang schon eingeleitet ist und die Füße des Fötusses zu sehen sind, wandern die Tiere noch kilometerweit - ein bewährter Schutz gegen Feinde. Uns bleibt also gar nichts anderes übrig als zu warten, bis das Kalb den Mutterleib verlassen hat. Nun darf man keinesfalls den Fehler machen und sofort hinfahren. Denn erst müssen Mutter und Kind "Nasenkontakt" aufnahmen. Wenn sie dabei gestört werden, entsteht keine Bindung zwischen ihnen, und die Mutter akzeptiert das Baby nicht. Bereits zwei Minuten nach der Geburt versucht das Junge aufzustehen. Es sieht grotesk aus, wie die streichholzdünnen Beine zunächst den Dienst versagen und das Junge wieder und wieder hinfällt. Es wirkt so zebrechlich, es ist pitschnass und schmutzig von der Erde, auf die es gefallen ist. Doch nun dauert es vielleicht noch einmal zwei Minuten, dann steht es auf den Füßen - und folgt unmittelbar danach der Mutter. Nur diese zwei Minuten kann man nutzen, um ein neugeborenes Gnukalb zu fotografieren. Danach entfernen sich Mutter und Kind in den Schutz der Herde. Schon nach weiteren fünf Minuten kann das Junge neben der Mutter laufen, und nach vielleicht einer Stunde ist es in der Lage, in einer flüchtenden Herde mitzuhalten. "Zum Laufen geboren" ist eine treffende Umschreibung. Fast könnte man sagen "Im Laufen geboren." Vor dem Ende des ersten Lebenstages können Gnus über längere Distanz 35 Stundenkilometer schnell laufen! Und schon nach einem Tag wechselt ihr schmutzigbraunes Fell in eine helle Zimfarbe, die Mähne und Kopfhaare in ein dunkles Schwarz. 

Die Grassavanne bei Ndutu ist nun voller Gnus. Man sagt, dass in der Grassavanne der südlichen Serengeti pro Saison im Laufe von vier Wochen 250 000 Kälber geboren wer-den, davon 80 % innerhalb von  eineinhalb Wochen. Eine unglaubliche Zahl. Natürlich fallen viele von ihnen den Räubern der Region zum Opfer. Doch die von uns erhoffte Invasion von Raubtieren bleibt aus. Es gibt nur ein lediglich fünf Tiere starkes Löwenrudel in der Gegend. Andere sind nicht zugewandert. Und ein einziges Hyänenrudel. Lediglich einige Geparden erbeuten noch hin und wieder ein Gnukalb. Uns wird erst nach und nach klar: Nicht nur das Kalben innerhalb weniger Tage ist eine Überlebensstrategie. Die Gnus ziehen zudem noch in einen fast feindfreien Raum - die Kurzgrassavanne. Die Räuber folgen ihnen nach unseren Erfahrungen dorthin nicht.

Bei der fotografischen Bewältigung der Situation "Gnukalben" spielt eine schnelle Bildfolge keine so große Rolle. Also habe ich meist die D3X eingesetzt. Das hat sich bezahlt gemacht. Da die Gnus sehr früh morgens geboren werden und zusätzlich der Himmel meist bedeckt war, war es oft notwendig, mit bis zu 800 ISO zu fotografieren. Die unglaubliche Auflösung der D3X  sorgt dafür, dass man das den Bildern kaum ansieht. Darüber hinaus war es oft notwendig aus größerer Distanz zu fotografieren. Hier greift der Vorteil der Digitalfotografie: Vor allem weil die Auflösung des Sensors groß genug ist, kann man in der Bildbearbeitung auch kleinere Ausschnitte wählen. 

Von einem tag auf den anderen sind fast alle Gnus verschwunden. Sie sind weiter gezo-gen in Richtung Kushini. Wegen starker Regenfälle können wir ihnen selbst mit dem Geländewagen nicht folgen. Drei, vier Tage lang haben wir die Geburt der Gnus fotogra-fieren können, schon ist Schluss. Den Rest unseres Aufenthaltes können wir uns nun anderen Themen zuwenden. Uns gelingen noch einige Portraits von Löwen, Geparden und  Löffelhunden.  

Fazit: Alle drei Kameras eignen sich für die Naturfotografie. 
Die D3X sollte im Kamerapark keines professionell arbeitenden Naturfotografen fehlen. Bei der Aufnahme schneller Aktionen wie z. B. einer Gepardenjagd verbietet sich der Ein-satz der "langsamen" D3X, da ist die D3 die Kamera der Wahl. Überhaupt ist sie am uni-versellsten von allen drei Kameras einsetzbar. Dort, wo Bildfrequenz und Distanz zum Ob-jekt keine Rolle spielen, aber die Auflösung sehr wichtig ist, hat die D3X ihre Stärken. Da-bei kann man ihre hohe Auflösung für Bildauschnitte nützen. Da sie zudem in der Land-schafts-und Makrofotografie beste Ergebnisse liefert,  ist sie für mich unverzichtbar. Wer auf die Bildauflösung keinen so großen Wert legen will, der hat mit der D300 wegen des Crop-Faktors ein sehr flexibel einsetzbares Werkzeug. Zum Beispiel kann man das 200-400er an der D300 wie ein 300-600er Telezoom benutzen. 


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