Impfen - Der rettende Piks

Die Geschichte der Impfstoffe
Der rettende Piks

von Arthur Pauli

Jahrhundertelang stand die Menschheit Epidemien und Pandemien machtlos gegenüber. Der Fortschritt von Wissenschaft und Medizin in den letzten zweihundert Jahren machte die Identifizierung der Krankheitsauslöser und die Suche nach Mitteln der Heilung oder schließlich sogar Immunisierung durch Schutzimpfungen möglich. Die Medizin macht immer schnellere Fortschritte, und gegen Covid-19 wurden sogar innerhalb eines Jahres wirksame Impfseren entwickelt.

Im Gegensatz dazu scheint aber die Skepsis der Menschen, ja sogar ihr Widerstand aus Angst vor den Nebenwirkungen seit zweihundert Jahren dieselbe und nicht auszurotten. Der Widerstand flammt bei jeder neuen Impfkampagnie wieder auf. Einerseits war und ist dies ein Problem mangelhafter Information, andererseits aber jetzt im Zeitalter der Über-Information durch Facebook, Telegram und Co. auch ein Fluch, denn viele Menschen filtern für sich fatalerweise die falschen „Weisheiten“ heraus und machen sie zur eigenenen und einzigen Wahrheit. Doch immer waren groß angelegte Impfungen die Rettung aus der Plage, wie die Beispiele aus der Vergangenheit zeigen.

Die allererste Schutzimpfung gab es gegen die Pocken, eine Krankheit, die nun schon seit 40 Jahren als ausgerottet gilt. Nachdem Bayern die Pockenschutzimpfung schon 1807 zur Pflicht gemacht hatte, wurde für ganz Deutschland am 8. April 1874 das Reichsimpfgesetz erlassen, das bestimmte, dass Kinder sowohl im ersten als auch im zwölften Lebensjahr geimpft werden mußten. Bei Nichtbefolgung drohten Geld- und Haftstrafen.

Die Geschichte des Pockenvirus zeigt auch, dass Handels- und Reisetätigkeit immer schon und nicht erst seit Covid-19 die Treiber für die weltweite Verbreitung der Viren waren:

Die vermutlich in Afrika von Nagetieren auf den Menschen übertragene und auch als „ägyptisches Geschwür“ bezeichnete Seuche wurde wahrscheinlich 165 n. Chr. mit der Rückkehr römischer Legionen aus dem heutigen Irak nach Europa gebracht.
Von Europa gelangten die Pocken im 15. und 16. Jahrhundert mit der Kolonisationspolitik der Europäer über den Atlantik nach Nordamerika. Spanische Eroberer ihrerseits brachten das Virus nach Mittelamerika. In Kanada tauchte der erste Pockenfall in der Pelzhandelsstation Tadoussac bei Quebec auf. Mit dem Vordringen der europäischen Pelzhandelsposten nach Westen zog auch das Virus weiter westwärts und forderte bei den Indianervölkern hohe Verluste.

Nach der Konföderation 1867 führten die kanadischen Provinzen die verpflichtende Impfung von Schulkindern ein. Dies war vergleichbar mit dem deutschen Reichsimpfgesetz. Eine generelle Impfpflicht wie in Bayern und Österreich gab es allerdings nicht, doch wurden bei gehäuftem Auftreten von Infektionen regionale Pflichtimpfungen durchgeführt, wie das Beispiel der Stadt Waterloo zeigt.

"Infolge der Existenz von Pocken in der Stadt Waterloo ist der Stadtrat gemäß den positiven Bestimmungen des Gesetzes über öffentliche Gesundheit und die Vorschriften des Gesundheitsamtes der Provinz dazu gezwungen, eine allgemeine Impfung der Einwohner der Stadt anzuordnen. Der Rat hat dementsprechend an diesem Tag die Impfung oder Wiederimpfung aller in der Stadt Waterloo ansässigen Personen angeordnet die in den letzten sieben Jahren nicht geimpft wurden. Jede Person, die diese Anordnung mißachtet oder innerhalb von sieben Tagen nicht befolgt, wird mit einer Strafe von 25,00 Dollar belegt.
Waterloo. 23. Januar 1913."

In den Anfängen der Pockenimpfung war übrigens die Injektionsspritze noch nicht erfunden. Zur Impfung ritzte man die Haut und brachte den Impfstoff in die Wunde ein. Aber auch später nahm man für die Pockenimpfung keine Spritze, sondern gegabelte Nadeln oder Impfpistolen. Beinahe jeder Leser und jede Leserin mit Geburtsjahrgang vor 1976 dürfte eine lebenslange Erinnerung an seine/ihre erste Pockenschutzimpfung mit einer solchen Impfgabel in Form mehr oder weniger gut sichtbarer Doppelnarben an seinem/ihrem Oberarm mit sich tragen.
Anordnung der Stadt Waterloo vom Januar 1913 zur Pockenimpfung, gefunden und fotografiert im Museumsdorf Doon Heritage Crossroad
International certificate of vaccination - Disphtheria
eine Medizinerin setzt eine Injektionsnadel an den Oberarm eines/einer Patienten/in
Impfschein Pockenschutzimpfung, Erstimpfung Max Buchstätter 1915
typische Narben am Oberarm von einer Pockenschutzimpfung
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Seit der Einführung der allgemeiner Schutzimpfung gegen Pocken dauerte es 130 Jahre bis die Bevölkerung weltweit vollständig immunisiert und eine Verbreitung der Pocken gänzlich eingedämmt war. 1976 wurde deshalb in Deutschland die Pockenimpfpflicht abgeschafft, und 1979 erklärte die WHO die Pocken für weltweit ausgerottet.

Bekanntschaft nicht mit einer Injektionsspritze sondern mit einer für rationelles Impfen entwickelten Impfpistole machte der Verfasser dieser Zeilen bei einer Cholera-Auffrischungsimpfung in Singapur. Die Auffrischung war obligatorisch, ein Kneifen gab es nicht. Heute werden Impfpistolen, auch wenn damit quasi im Sekundentakt geimpft werden kann, beim Menschen aus Sterilitätsgründen kaum mehr verwendet, nur noch in der Veterinärmedizin bei der Massenimpfung von Tieren.

Die Diphtherie, eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die von Friedrich Löffler 1884 entdeckt worden war, und gegen die Emil Behring schon 1890 das erste Impfserum erfunden hatte, tritt heute in Deutschland dank der Durchimpfung im Kindesalter kaum noch auf.

Nur etwa 40 Jahre nach Einführung der Poliomyelitis-„Schluckimpfung“ (1960 in der DDR, 1962 in Westdeutschland) konnte Europa 2002 als poliofrei erklärt werden. Auch hier war die Impfung verpflichtend.

Gegen die Masern gibt es einen Impfstoff seit 1963.

Laut WHO verhinderte die Masernimpfung in den Jahren 2000-2018 weltweit „schätzungsweise 23,2 Millionen Todesfälle, was die Masernimpfung zu einer der besten Investitionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit machte.“ Im Jahr 2000 wurden die USA vom Center for Desease Control and Prevention (CDC) als masernfrei erklärt. Die WHO hatten gehofft, bis 2020 ein ähnlich positives Ergebnis weltweit vermelden zu können, was sich jedoch durch Aufflammen einiger neuer Herde noch nicht bewahrheitete.

Die Ausrottung der Krankheit dürfte jedoch aufgrund des medizinischen Fortschritts schneller erfolgen als bei den Pocken, vor allem auch nach der endlich breiten Einführung der Impfpflicht für Kinder ähnlich wie ehedem gegen die Pocken. (z. B. in Bulgarien, Kroatien, Tschechien,Ungarn, Lettland, Polen, Slowakei, Italien 2017, Samoa 2019, Deutschland leider relativ spät im März 2020 )

Und wie ist der Stand bei Corona?

Um Prof. Michael Hoelscher von der Ludwig-Maximilian-Universität München, der in einem Artikel der Abendzeitung bereits am 11.März 2021 den Wiederanstieg der Infektionszahlen infolge der britischen Mutante vorhergesagt hatte, zu zitieren:

"Das Virus werden wir nicht mehr los", Es sei allerdings nach Durchimpfung mit weniger schweren Krankheitsverläufen zu rechnen. Bestenfalls reiche dann einmal eine Immunisierung im Kindesalter aus, wahrscheinlicher sei aber, dass sich die Menschen wie bei Grippe jedes Jahr neu impfen lassen müssten.

Im Sommer hielten alle die Pandemie für so gut wie beendet, und selbst Gesundheitsminister Jens Spahn hatte die Idee, die „Pandemische Lage“ für beendet zu erklären. Doch die Ansteckungsrate steigt erneut beängstigend, stärker noch als im Herbst des Vorjahres. Eine Erklärung dafür dürfte sein, dass die Menschen viel lockerer mit der Infektionsgefahr umgehen als vor einem Jahr, wie Dr.Katja de With, Leiterin der Klinischen Infektiologie am Dresdner Uniklinikum in einer Diskussionsrunde kürzlich im MDR sagte: "Wir sind in einer Phase der Durchseuchung, wo wir einen regen Austausch haben. Da kommt es auch zum Austausch des Virus."

Doch das muß nicht tatenlos hingenommen werden. Ganz wie Prof.Dr. Thomas Glück, Infektiologe im Klinikum Südostbayern, schon im Frühjahr und Ministerpräsident Markus Söder kürzlich sagte: „Da hilft nur Impfen, Impfen, Impfen“. Und wenn schon nicht staatlich verordnet wie in Bayern 1807 gegen Pocken, dann wenigstens als freiwillige Selbstverpflichtung! Beispiele aus der Vergangenheit gibt es allerdings zur Genüge daß das mit der freiwilligen Selbstverpflichtung so eine Sache ist (siehe oben!). Österreich macht’s vor wie man Nägel mit Köpfen macht (wie schon bei der Autobahn-Maut): ab 2022 wird die Impfung Pflicht.

Text: Arthur G. Pauli
Fotos: Elisabeth Pauli und Arthur Pauli, sowie Bildagentur Zoonar (zerbor, Designit, Panoramaimages)
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