Moi Monnem

Schlafende Schönheit Mannheim
Moi Monnem

In Karlsruh' ist die Residenz, in Mannheim die Fabrik. So heißt es im Badnerlied und immer noch wird Mannheim als dreckig geschmäht. Aber was ist mit der schlafenden Schönheit, die die Quadratestadt ist?

Mit ihren Bauwerken, mit ihren Veranstaltungen, ihrer Kultur und nicht zuletzt mit ihren Mannheimern?
Wo soll man anfangen bei einer Stadt?
Mit harten Fakten?

Gut denn, Mannheim hat zum 09. Mai 2011 290.000 Einwohner und ist damit die drittgrößte Stadt Baden-Württembergs. Mannheim ist seit 1896 Großstadt und liegt im Regierungsbezirk Karlsruhe. Mannheim hat 17 Stadtbezirke, die Stadtverwaltung sitzt in E5 in 61859 Mannheim. Halt, warte, wo sitzt die Stadtverwaltung?
E5? Was bitte ist das?

Das ist ganz einfach, sagt der Mannheimer und erklärt, das die Innenstadt keine Straßen, sondern Quadrate hat. Die seien auch ganz logisch aufgebaut und alles wäre einfach zu finden. Das mag sein, für Mannheimer. Es gibt auch Straßennamen, die sind aber nur zur Orientierung da und ansonsten nicht zu gebrauchen, durchgehende Hausnummern haben sie nicht.

Also wohnt ein Mannheimer in D1,5, und damit ist dann alles gesagt. Man kann sich den Spaß vorstellen, den ein Mannheimer hat, wenn er zum Beispiel einem Hamburger seine Adresse mitteilt. Das ganze geht auf Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz zurück und hat sich bis heute erhalten.

Wenn man auf dem Paradeplatz (O1) steht und einem Mannheimer diese Frage stellt, dann lächelt der, nimmt einen bei der Schulter und dreht einen zum Schloss. Das Ding ist groß. Sehr groß. Damit ist man dann wieder bei den Fakten.
Von 1720-1760 unter den Kurfürsten Karl-Phillip und Karl-Theodor erbaut, glänzt das Mannheimer Schloss mit einer Straßenfront von fast 450 Metern Länge.

Die umbaute Fläche von 6Ha machen es zu einem der größten Schlösser Europas und zum zweitgrößten Barockschloss nach Versailles. Beim Bau wurde penibel darauf geachtet, das Schloss Mannheim genau ein Fenster mehr als Versailles hat. Kurfürstliche Eitelkeit und Standesdünkel.

Dann wieder zurück zur Stadt. Also, in Mannheim hat der Freiherr Drais das erste Zweirad gebaut, in Mannheim rollte das erste Automobil durch die Straßen, in Mannheim rollte auch der erste Lanz Bulldog. Ganz nebenbei, Carl Benz und Gottlieb Daimler haben nie miteinander gesprochen.

Was aber ist jetzt Mannheim? Denn all die Aufzählung der Fakten beschreibt wenig bis gar nichts. Was also macht die Stadt aus, die manche lieben, andere hassen, der aber niemand gleichgültig gegenüber steht, der sie kennt. Was eigentlich ist das, Mannheim, oder besser, Mannheimer zu sein?

Der Dialekt, der so eigentümlich grausam daherkommt, die Ohren aufs heftigste malträtiert, bei längerem hinhören aber merkwürdig melodisch und Klangvoll wird? Oder die Tatsache, das Mannheimer nicht auf den Mund gefallen sind? (Für Mannheimer könnte man jetzt Maul schreiben, sie nehmen das nicht krumm.) Und extrem direkt sind mit ihrem komischen Dialekt!

Oder das Mikroklima in der Niederung zwischen zwei Flüssen, das im Sommer zu Depressionen führen kann?
Wilhelm Genazino sagte einmal, um Mannheim kennenlernen zu können, müsse man in die Vororte, da sei Mannheim echt. Was für sich genommen stimmen mag, aber wieder sehr merkwürdig ist.
Jesuitenkirche Mannheim, Kurfuerst Karl-Theodor, P. A. Verschaffelt, Alessandro Galli da Bibiena, Egid Asam.
Fernmeldeturm Mannheim, die Nadel, Luisenpark, Bundesgartenschau 1975.
Wasserturm Mannheim, der Dicke, Friedrichsplatz, Groesste geschlossene Jugendstilanlage Deutschlands, Bruno Schmitz.
Carl Benz Denkmal, Berta Benz, erstes Automobil, Augusta Anlage, Berta Benz Memorial Route.
Darf sich doch ein Mannheimer nur dann Mannheimer nennen, wenn er in der Kernstadt geboren wurde.

Es ist wohl wirklich so, das Mannheim erobert werden möchte, sich aber Dummerweise immer wieder ziert.
Man kann sich die Baudenkmäler ansehen, die Museen und Ausstellungen. Man kann am Wasserturm spazieren gehen oder im Luisenpark, aber erobert hat man die Stadt dann immer noch nicht.

Überhaupt der Wasserturm. Da steht er, Monströs schön, von Mannheimern liebevoll "der Dicke" genannt.
Das können sie auch, die Mannheimer, verniedlichen und Kosenamen vergeben.

Der Wasserturm, Nabel und Wahrzeichen der Stadt, auf dem Friedrichplatz gelegen. Da sind dann wieder Superlative zu Hause, der Friedrichsplatz ist Deutschlands größte geschlossene Jugendstilanlage. Kommt man von den Planken, der Fußgängerzone, rechts die Kunsthalle, links der Rosengarten.

In der Mitte der Wasserturm mit seinen Wasserspielen und den Laubengängen, seinem Jugendstil. Geradeaus die Augustaanlage mit Carl-Benz-Denkmal. Aber auch wieder nur ein Teil. Durch die Oststadt und Schwetzinger Vorstadt geschlendert, vorbei an Villen und Alleen dann der Luisenpark mit dem Fernmeldeturm. Der wird von Mannheimern "die Nadel" genannt, ist aber mit 212 Metern das höchste Gebäude der Stadt.

Vom Luisenpark zum Nationaltheater, das das älteste kommunale Theater der Welt ist und in dem Schillers Räuber Uraufgeführt wurden, daran vorbei wieder in die Quadrate. Es hupt, Bremsen quietschen, ein Mannheimer hat einem anderen die Vorfahrt genommen. Dann: "Seis doch zufridde, du Ochsebriggl" und beide fahren weiter.
Der Satz im Dialekt quer über die Straße gerufen, bringt uns zu Joy Flemming, die so unnachamlich den Neckarbrücken Blues sang.

Wieder ein Stück Mannheim mehr. Wir haben jetzt Superlative gesammelt, wir haben jetzt den Dialekt im Ohr. Und die Bauwerke haben wir auch gesehen, die meisten. Suchen wir weitere Stücke.

Den Dialekt muß man im Ohr haben. Verstehen wird man so schnell nichts. Macht aber auch nichts, der Mannheimer an sich ist Tolerant. Er versteht uns auch so. Aber es stimmt, Mannheim ist Tolerant. Dadurch auch vielfältig. Kulturelle Vielfalt muß man Mannheim nicht vorschreiben, die hat die Stadt.

Und angenommen wird man als Neigschneider auch sehr schnell. Solange man kee Ferz macht. Was das im einzelnen ist, entscheidet der Mannheimer von Fall zu Fall. Mit der Funkeschees kann man in Mannheim auch fahren, oder mit der Ögg nach Heidelberg. Die Funkeschees ist die Straßenbahn, die Ögg der Name eines ehemaligen Verkehrsunternehmens, der OEG. Heute in der Rhein Neckar Verkehrs GmbH aufgegangen, verbindet die Ögg Mannheim, Heidelberg und Weinheim.

Sie will erobert werden, die schlafende schöne, die sich ziert und versteckt. Und sie will zusammengesetzt werden, diese Stadt, die aus so vielen Teilen besteht.Es kann passieren, das ein Mannheimer einen auswärtigen Gast durch die Stadt führt. Und wenn der Gast am Abend sagt, das Mannheim sehr schön sei, dann sagt der Mannheimer ganz leise, fast zu sich selbst: "Moi Monnem".

Aber vielleicht ist es auch andersrum. Vielleicht muß man diese Stadt auffordern, einen zu lieben. Muß sich auf die Stadt einlassen, damit sie sich entdecken lässt. Und vielleicht steht man dann am Ende eines langen Tages da, schaut auf die Stadt und sagt leise: "Moi Monnem."

Text und Fotos: Rolf Jahn

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