Haben wir ein "Taubenproblem"?

Haben wir ein "Taubenproblem"?

Kaum eine andere Tierart weckt so viele Emotionen. Für die einen sind es "dreckige Stadtratten", die "Gebäude verunreinigen und Krankheiten übertragen" und für andere "goldige Täubchen, deren Auftreten der Lebensfeindlichkeit unserer Städte entgegenwirkt". Manche versuchen die Tauben mit Giften, Netzen und Stahlspitzen loszuwerden, während andere säckeweise Körner auf die Straßen streuen. Haben wir ein "Taubenproblem" oder haben wir ein Problem im Umgang mit den Tieren?

Seit mehr als 6000 Jahren leben Tauben im Umfeld des Menschen. Sie stammen von der wilden Felsentaube ab, deren angestammte Heimat die nordischen Inseln Europas, das Mittelmeergebiet, Persien und Teile des Himalaya sind. Als natürliche Verwandte der Felsentauben leben bei uns Ringeltauben, Türkentauben, Hohltauben und Turteltauben. Sie errichten ihre Nester in Bäumen und leben im Gegensatz zu den Stadttauben nicht in Kolonien zusammen. Dadurch fallen sie kaum auf. Felsentauben hingegen bauen keine Baumnester, sondern nisten auf Felsvorsprüngen und in Höhlen. Als Nachfahren der Felsentauben sind die Stadttauben deshalb an Gebäude gebunden.

Seit vielen Jahrhunderten brüten die Tauben zusammen mit Turmfalken, Dohlen und Schleiereulen auf Kirchtürmen. Die anderen Tiere hat der Mensch vielerorts verdrängt und damit zusätzlichen Raum für die Tauben geschaffen. Auch Brücken, Dachfirsten und Fassaden werden von Tauben als Nistplatz benutzt. Stadttauben leben heute auf allen Kontinenten. Sie gehören zu den erfolgreichsten Kulturfolgern des Menschen.

Vom Friedenssymbol zur "Stadtratte"?

Lange Zeit waren die Tauben willkommene Nachbarn des Menschen. Im Christentum galten sie als Sinnbild der himmlischen Liebe und des Heiligen Geistes und in vielen Märchen und Sagen tauchen sie als Verkörperung der Güte und der Hilfsbereitsschaft auf. Schon früh wurden Tauben zu Nahrungszwecken gezüchtet. Ihren geruchsneutralen Mist nutzte man zugleich in der Landwirtschaft. So kostete ein Scheffel Taubennmist gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Holland einen Taler.

Noch immer werden weiße Tauben als Friedenssymbol bei feierlichen Anlässen freigelassen und gelten gebratene Tauben als Delikatesse. Rund 90.000 Brief-taubenzüchter nutzen die Tauben für "sportliche Zwecke". Schätzungsweise 10 Millionen Brieftauben gibt es in Deutschland. Ein umstrittenes Hobby. Die Brieftauben werden von Mai bis August auf die Reise geschickt. Die Züchter nutzen dafür die starke Partnerbindung der Tauben.

Wenn sich ein Taubenpärchen gefunden hat, bleibt es in Einehe ein Leben lang zusammen. Meist wird daher ein fremder Täuberich neben die Taube gestellt, um den Partner in Erregung zu versetzen. Dieser wird daraufhin mit einem speziellen Taubenbus weggebracht und an einem beliebigen Ort freigelassen. Sofort fliegt der Täuber in höchster Eile zurück. Viele Brieftauben erreichen jedoch niemals ihr Ziel. Sie geraten in Stromleitungen oder verletzten sich in einem "Taubenabwehrsystem". Manche finden auch den Weg nicht zurück. Wie die Tauben überhaupt zurückfinden können, ist bis heute ein Rätsel. Von Sonnenstand, Erdmagnetfeldern und dem guten Gedächtnis der Tiere ist die Rede.
Modena-TaubenModena-Tauben
Grey pigeon standing on a red roof and blue sky
Three doves sitting in a row on tap with flowing water
Aber genau weiß das niemand.

Warum gibt es in Städten so viele Tauben?

Manche Stadttaube war einst eine Brieftaube. Hauptursache der hohen Bestandszahlen sind allerdings das große Nahrungsangebot und das Fehlen natürlicher Feinde in den Städten. Greifvögel und Marder, die Tauben fangen, sind selten geworden. Auf Wegen und belebten Plätzen gibt es viele Brotkrümel und Körner, die sich die Tauben mit den Spatzen teilen. "Taubenfreunde" helfen durch regelmäßiges Füttern nach.

Die Behauptung, die Tauben hätten sich übermäßig vermehrt, ist allerdings falsch. Gute Nistplätze sind Mangelware, nicht zuletzt durch "Taubengitter" und andere Abwehrmaßnahmen. Deshalb können viele Taubenpaare überhaupt keine Junge großziehen. Anders in Rom. In den alten Gebäuden der Stadt finden die Tiere viele Nistplätze. Deshalb gibt es in Rom mehr Tauben als in Hamburg oder München.

Richten die Tauben Schäden an?

Tauben stehen oft im Verdacht Schäden an Gebäuden und Denkmälern anzurichten und Krankheitskeime zu übertragen. Beides trifft jedoch nicht zu. Die größte Gefahr für Gebäude und Denkmäler geht von den Schadstoffen durch Industrie und Autoverkehr aus. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, daß die Beeinträchtigung durch Taubenkot gegen Null tendiert. Auch ist bis heute kein einziger Fall bekannt, in dem Krankheiten durch Tauben übertragen wurden. Tauben sind nicht gefährlicher als alle anderen Vögel. Und wer käme schon auf die Idee Spatzen, Meisen oder Amseln umzubringen!

Was bleibt ist der Taubendreck. Genau wie Hundekot ein unschöner Anblick Das Vergiften und Quälen der Tiere läßt sich damit aber nicht rechtfertigen. Durch Säuberungen ist das Problem schnell aus der Welt zu schaffen. Wo auf kleiner Fläche zu viele Tauben auftreten, kann zudem versucht werden, mittels "Taubentürmen" die Kolonien zu verkleinern. Die Türme bieten den Tauben Nistplätze an. Gelegte Eier werden durch Attrappen ersetzt, so daß es zu keinem Nachwuchs kommt.

Abzulehnen sind Abwehrsysteme mit spitzen Stacheln. An den Stacheln brechen sich die Tauben die Beinchen oder verletzten sich ernsthaft. Dann sterben sie einen langsamen Tod. Wer auf Abwehrmaßnahmen nicht verzichten will, sollte deshalb Gitter installieren, die keine Schlupflöcher aufweisen. Netze sind nicht empfehlenswert, da sich die Tiere oft in ihnen verfangen und nicht mehr freikommen.

Völlig utopisch sind Vorhaben, die Tauben ganz aus unseren Städten zu verdrängen. Solche Ideen können nur von Menschen kommen, die jedes Naturverständnis verloren haben. Schließlich tragen die Tauben keine Schuld an der Einöde vieler Städte und sie können auch nichts dafür, daß andere Tiere hier keinen Platz mehr finden. Wer sich eine schönere Stadt wünscht, sollte sich besser für mehr Grün und weniger Verkehr engagieren.

Copyright: Michael Krabs
Fotos: Zoonar

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