Wunderbare Welt der Wildbienen

600 Arten leben alleine in Europa
Wildbienen

Wenn wir heute von Bienen sprechen ist eigentlich immer die Honigbiene (Apis mellifera) gemeint. Dabei leben in Mitteleuropa noch über 600 weitere Bienenarten. Einige sozial in Staaten, andere in großen Kolonien und wieder andere als Parasit zwischen anderen Bienen. Manche haben grüne Augen oder polstern sich die Nester mit Pflanzenhaaren aus. Andere tragen Hosen oder legen ihre Eier in leere Schneckenhäuser. Oder sie bauen kunstvolle Brutzellen aus Blättern.

Die Vielfalt ist hier beinahe unendlich und viele Arten haben sich auf Pflanzen oder Lebensräume spezialisiert. Leider ist es genau diese Spezialisierung, die sie oft an den Rand des Aussterbens bringen. Unsere geliebten milimetergenau angelegten Gärten sind für sie oft eine Katastrophe und die für uns so unansehnlich aussehende Brachen das reinste Paradies. Da nützt auch der nach der Bundesartenschutzverordnung erteilte Schutzstatus "besonders geschützt" nicht viel.

Auffallend ist die bei den meisten Arten vorkommende starke Behaarung und die Verwendung von Pollen und Nektar als Nahung. Zum Sammeln von Pollen haben sich Sammeleinrichtungen entwickelt, mit denen sie die Pollen an den Beinen oder dem Bauch transportieren können.

Eine Gattung mit dem typischen Erscheinungsbild einer Biene sind die Seidenbienen (Colletes). Sie sammeln den Pollen an den Hinterbeinen und bauen ihre Nester bevorzugt in Kolonien in den lockeren Sandboden, in festeren Boden oder in die Ritzen zwischen Steinen. Ein langer Gang mündet in mehrere Brutzellen die mit Speichel ausgekleidet werden. Nach dem Trocknen bildet dieser eine seidenartige Schicht, die dieser Gattung ihren Namen gab. Außerdem wird ein weiteres Sekret aufgetragen, dass vor einer Verpilzung schützen soll. In Mitteleuropa gibt es etwa zehn Arten dieser Gattung. Viele sind durch den Rückgang der sandigen Freiflächen stark gefärdet und nur noch selten anzutreffen.

Eine sehr ähnliche Lebensweise wie die Seidenbienen haben die Sandbienen (Andrena), von denen es etwa 130 Arten in Mitteleuropa gibt. Die meisten sind äußerlich nur sehr schwer zu unterscheiden. Die Weibchen können von anderen Gattungen aber anhand einer hübschen Haarlocke am Hinterbein abgegrenzt werden. Die Erdnester werden in großen Kolonien angelegt wobei man gelegentlich mehrere Hundert Nester finden kann. Auch sie bauen einen tiefen Gang in den Sand der in mehrere Brutzellen mündet und in die je nur ein Ei abgelegt wird. Die meisten einheimischen Arten sind schon zeitig im Frühjahr unterwegs. Die Männchen erscheinen einige Tage vor den Weibchen und lauern regelrecht auf sie. Sobald ein Weibchen aus dem Nest krabbelt, stürzen sich die Männchen auf sie um sich zu Paaren. Schon bald danach sterben die Männchen während die Weibchen noch ein paar Wochen mit dem Bauen der Nester, dem Sammeln von Pollen und der Eiablage beschäftigt sind. Die nächste Generation schlüpft übrigends noch im selben Jahr. Aber fast alle warten den Winter gut geschützt in der Brutzelle um dann im nächsten Frühjahr an die Oberfläche zu kommen. Somit verbringen diese Tiere den größten Teil ihres Lebens in einer kleinen, vollkommen dunklen Kammer tief unter der Erde.

Viele Arten dieser Gattung werden von Wespenbienen (Nomada) parasitiert. Unter den Kuckucksbienen stellt sie mit etwa 87 Arten in Mitteleuropa die artenreichste Gattung dar. Sie haben einen schlanken Körperbau, eine nur schwache Behaarung und sind oft gelb oder rot Gefleckt. Ihren Namen verdanken sie der großen Ähnlichkeit zu Wespen. Fast jede Wespenbiene hat sich in ihrer Lebensweise auf eine bestimmte andere Biene speziallisiert, meist sind es Sandbienen. Die Weibchen fliegen tief über den Boden und suchen nach dem Eingang eines Sandbienennestes. Haben sie eines gefunden, warten sie wie erstarrt auf einem erhöhten Ansitz mit nach vorn gerichteten Fühlern auf eine passende Gelegenheit ihr Ei einem Kuckuck gleich in das fremde Nest abzulegen. Sobald daraus die Larve schlüpft, frisst diese das Ei der Wirtsbiene. Erstaunlicherweise verhällt sich eine Wirtsbiene sehr ruhig wenn sie zufällig eine der Wespenbienen im Nest findet. Man vermutet heute, dass das auf bestimmte Duftsekrete zurück zu führen ist. Treffen sich jedoch zwei der Wepsenbienen im Nest, kommt es oft zu einem aggresiven Kampf.

Alle paar Jahre ist die Wespenbienenpopulation so groß, dass die Wirtsbienenkolonie zu Grunde geht. Im folgenden Jahr verschwinden dann auch die Wespenbienen, da sie ja nun keine Nester für die eigene Fortpflanzung mehr finden können.
Aber bereits ein weiteres Jahr später hat sich die Anzahl der Wirts- und Kuckusbienen wieder reguliert und der Kampf um den besten Platz beginnt von neuem.

Eine weitere interessante Gattung sind die Hosenbienen (Dasypoda), von denen in Deutschland nur drei Arten vorkommen, in Österreich sind es vier. An geeigneten Plätzen kann man sie noch in größerer Zahl finden, insgesamt sind sie jedoch überall selten geworden. Die Weibchen tragen ein dichtes langes Haarkleid an den Hinterbeinen und sind so unverwechselbar. Mit diesen Haaren sammeln sie Pollen für den Nachwuchs. Auch sie bauen ein Nest in den Boden. Sie sind flinke Baumeister und ihr Nest kann bis zu einem Meter tief in den Boden reichen und mündet in mehrere seitliche Brutkammern. Jede dieser Kammern wird nach der Eiablage sorgfältig verschlossen. Um eine Verpilzung zu verhindern, formen die Weibchen den Pollenvorrat zu einer Kugel um die wie ein Hocker auf drei kleinen Beinen steht. Darauf wird das Ei abgelegt. So besteht nur ein minimaler Kontakt zum feuchten Boden der Kammer.

Zu den Mauerbienen gehören gleich drei Gattungen: Hoplitis, Hoplosmia und Osmia. Sie haben eine äußerst interessante Lebensweise und man kann viele dieser Arten mit einem Insektenhotel in den eigenen Garten locken wodurch man gleichzeitig auch ihr Überleben sichert. Als Nester bevorzugen sie Hohlräume. Das können Erdlöcher, Spalten zwischen Steinen, vorgebohrte Löcher im Insektenhotel oder auch leere Schneckenhäuser sein. Bienen die ihr Nest in Erdlöcher und zwischen den Steinen bauen, kleiden es meist mit einem Erd-Speichel-Gemisch oder mit Pflanzen-Speichel-Gemisch aus. Einige Arten tragen dafür große Blattteile zum Nest. Über die Lebensweise der Schneckenhaus-Bienen ist bis heute nur wenig bekannt. Was aber auch kein Wunder ist, denn die leeren Schneckenhäuser sind nur sehr schwer zu finden und von einem Laien kaum als Nest zu erkennen.
Die einzelnen Brutkammern werden von den Mauerbienen hintereinander in einem langen Gang angelegt und durch Wände aus Pflanzenteilen oder Lehm voneinander getrennt. Ist die letzte Kammer gefüllt, wird der Eingang ebenfalls mit einem dicken Pfropfen verschlossen. Dadurch muss beim Schlüpfen jedoch die Biene in der hintersten Kammer warten, bis alle in den Kammern vor ihr das Nest verlassen haben. Pollen und Nektar werden von diesen Bienen am Bauch mit einer sogenannten Bauchsammelbürste transportiert.

Die nur 5 bis 14 mm kleinen Zottelbienen (Panurgus) haben kaum Haare am Körper, nur die Männchen haben eine relativ dichte Gesichtsbehaarung. Sie sind beinahe vollkommen schwarz, einige Arten tragen jedoch feine gelbe Querbinden auf dem Hinterleib oder eine gelbe Zeichnung im Gesicht. Sie fliegen vor allem im Sommer und bevorzugen gelbe Blüten. Dadurch kann man sie relativ leicht entdecken. Auch sie bauen ihre Nester gerne in den sandigen Boden, am liebsten an einer Böschung mit nur spärlicher Vegetation. Panurgus calcaratus ist die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Art. Sie habt eine präsoziale Lebensweise und nutzt gemeinschaftlich ein Nest, oft über Generationen hinweg. Dabei versorgt jedoch jede Biene nur ihre eigenen Nachkommen.

Die Kegelbienen (Coelioxys) haben ihren Namen von dem wie ein Kegel spitz zulaufenden Hinterleib erhalten. In Mitteleuropa gibt es nur 16 Arten die sich nur sehr schwer voneinander unterscheiden lassen. Wie die Wespenbienen leben sie parasitisch und legen ihre Eier in die Nester anderer Bienen. Oft kommt es vor, dass mehrere Kegelbienen ihre Eier in ein Nest abgelegt haben. Sobald dann die Larven geschlüpft sind, bekämpfen sie sich gegenseitig bis die kräftigste unter ihnen übrig bleibt.

Es gibt noch viele weitere Gattungen der Wildbienen zu denen übrigends auch die Hummeln gehören. Allen gemein ist, dass sie äußerst friedfertig sind und nur dann stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Um das zu erreichen, müsste man das Tier aber schon direkt an dessen Körper hart anfassen.

Auch die Wildbienenarten sind vom Bienensterben betroffen. Hier sind nicht nur Krankheitserreger und Pestizide die Ursache, auch der teils dramatische Rückgang der Lebensräume vernichtet Jahr für Jahr ganze Kolonien. Insektenhotels können zwar eine Hilfe sein, diese werden aber von den "Erdbewohnern" nicht angenommen. Hier hilft nur ein großflächiger Schutz der offenen sandigen oder lehmigen Habitate.

Text: Gabi Wolf
Fotos: Gabi Wolf, Zoonar (Walter Rieck, TanjaS, Himmelhuber)

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