Boote, die die Seele heilen

Eine Reise durch das Land der Minne
Seelenruhe hat viele Klänge. Der Wind, der in den Blättern der mächtigen Bäume rauscht, das Plätschern des Flusses, der Schrei eines Milans, der über den Wipfeln kreist oder das leise Tuckern der Gabare, die sich gemächlich ihren Weg durch das braungrüne Wasser des Dordogne-Stausees bahnt. 60 Meter unter dem Kiel lebten bis ins 20. Jahrhundert die Waldarbeiter und Kleinbauern, die ihr karges Leben als Gabariers, als Bootsbauer und Lastkahnfahrer aufbesserten. In jedem Frühjahr und Herbst bauten sie aus dem Holz, das sie im Winter geschlagen hatten, die vier Tonnen schweren Gabaren: Schwere, flache hölzerne Lastkähne. Wenn im Frühjahr und im Herbst die damals noch wilde Dordogne genug Wasser führte, beluden sie ihre Kähne mit bis zu 15 Tonnen Holz, Getreide, Vieh, Gemüse, Fisch und Fleisch, um damit den Fluss hinunter zu den Märkten im reichen Aquitanien zu rudern. 

Eine Woche dauerte die gefährliche Reise durch Stromschnellen und Untiefen hinunter ins Flachland bei Bordeaux, drei Wochen der Marsch zu Fuß zurück in die abgelegenen Täler zwischen dem immer noch mittelalterlich anmutenden Flusshafenstädtchen Argentat und der Quelle der Dordogne. So dringend brauchten die Menschen unten in der Aquitaine das Holz der Corrèze für den Haus- und Schiffbau, für die Eichenfässer der Weingüter, zum Heizen, Kochen und für die Eisengießerei, dass die Männer aus den Bergen ihre Boote am Ziel zersägten und das Holz verkauften. 

 "Eine flüssige Autobahn für Waren und Gedanken" sei der Fluss bis vor nicht einmal 150 Jahren gewesen. Die Männer brachten Geld in ihre armen Bergdörfer, Waren aus fernen Ländern und Ideen. Im 16. und 17. Jahrhundert waren es die Gedanken Luthers und der Protestanten, später die Eindrücke von den technischen Errungenschaften der Industrialisierung. Die raubten den Gabariers schließlich ihre Lebensgrundlage. Als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Eisenbahnzüge die Aquitaine und Limoges mit den größeren Orten in der Corrèze verbanden, lohnte sich das Geschäft mit den Lastkähnen nicht mehr. Die letzten Gabaren brachten um 1930 nur noch ihre Besitzer und deren Familien ins Tal. Sie flohen vor dem kargen Leben auf ihren Höfen.

Die einst wilde Dordogne, die nicht nur das mittelalterlich erhaltene Marktstädtchen Beaulieu mit seinem 800 Jahre alten Kloster immer wieder überschwemmte, ist längst gezähmt. Seit 50 Jahren bändigen fünf Staumauern das Wasser. Es fließt wohldosiert über die Turbinen der Wasserkraftwerke. Nur die Fische haben den Fortschritt nicht verkraftet. Wo es früher Lachse und Forellen im Überfluss gab, brauchen die Angler heute viel Geduld. Oft zerstört das Auf und Ab des Wassers im Stausee den Laich der Tiere.

Sonst hat sich seit den Zeiten der Gabariers hier am Oberlauf der Dordogne nicht viel geändert. Kleine Bäche plätschern durch dichte Wälder aus moosbewachsenen Eichen, Nussbäumen und Lärchen. Auf den Wiesen grasen die braunen Kühe, die so heißen, wie ihre Heimat: Limousin. 

Hinter jedem der vielen Hügel überrascht eine neue Symphonie aus Grüntönen, hell und zart in Frühjahr, kräftig im Sommer. Das lauteste Geräusch weit und breit sind die Kanonenschüsse, deren Donner vor den mächtigen sieben Burgen von Merle widerhallen. Junge Männer in den ledernen Wamsen der frühen Renaissancezeit halten zur Freude der wenigen Touristen ihre Lunte an eine tragbare Kanone, die daraufhin mit lautem Knall und einem Feuerstoß eine Kugel in den nahen Wald befördert. 

Unten im Haupthaus färben Maiden Wolle mit Wasser und Pflanzenextrakten so wie einst ihre Vorfahren. Eine blonde Schönheit in der rotbraunen Tracht des 15. Jahrhunderts führt die Besucher durch die weitläufige Burgruine. An vielen Stellen haben Wind und Regen die bis zu sieben Stockwerke hohen rohen Mauern angefressen und ganze Treppenstücke ausgewaschen.
traditionelle Gabares (Lastkähne) Stausee der Dordogne bei Saint Merd, heute Touristenausflugsboote
Stausee der Dordogne bei Saint Merd
traditionelle Gabares (Lastkähne) Stausee der Dordogne bei Saint Merd
traditionelle Gabares (Lastkähne) Stausee der Dordogne bei Saint Merd, heute Touristenausflugsboote, Gabarier (Bootsführer) Robin
typisches Limousiner Schieferdach
Jeden Sommer inszenieren Angestellte der Gemeinde für die Besucher das ausgehende Mittelalter in den Burg- und Schlossruinen von Merle.

Das Städtchen Beaulieu sur Dordogne mit seiner romanischen Abteikirche des Ordens von Cluny aus dem 12. Jahrhundert war damals Standort eines wichtigen Klosters. Eine steinerne Brücke führt seitdem hier über die Dordogne auf den Marktplatz, wo die Bauern aus der Umgebung heute wie einst ihre zumeist auf dem eigenen Hof handgefertigten Spezialitäten verkaufen. Trüffel aus dem Périgord, Schinken, der nach glücklichen Landschweinen schmeckt, Kastanien- und Maronencremes, eingelegtes Gemüse, Honig in allen denkbaren Geschmacksrichtungen. 

In den Hügeln jenseits des Flusses, der sich hier gemächlich durch das grüne, weite Tal dem Atlantik entgegenschlängelt, beginnt der Süden. In der warmen Frühlingsluft liegt die Ahnung von zirpenden Zikaden, heißen Tagen und lauen Sommernächten. Die Dordogne und die Corrèze markieren die Grenze zwischen dem gemäßigten Zentralfrankreich mit seinen Vulkanbergen und Hochebenen und dem Midi, dem Mittag, wie die Franzosen ihren Süden nennen.

Hier im Grenzland Okzitaniens ist die Zeit irgendwann stehen geblieben. Alle Straßen des großen französischen Königreichs machten um die bis ins 18. Jahrhundert unabhängige Markgrafschaft Turenne einen großen Bogen.

Erst als der letzte Graf seinen letzten Sous durchgebracht hatte, musste er sein holz- und wasserreiches Land an den König im fernen Versailles verkaufen. Seitdem gelangen die Schätze des Landes - Fleisch, Käse, Holz, Maronen und der Schiefer -  auf die Märkte der Großstädte im Norden. Aus dem Schiefersteinbruch mit seinen hochhaustiefen, senkrechten, künstlichen Schluchten ist ein Museum geworden. Die Angestellten, zeigen, wie wohnzimmergroße Schieferplatten mit Hammer und einem speziellen Meißel zu Dachziegeln geschlagen wurden. Im Nachbarort  Donzenac fertigt Pascal Lavand als einer der letzten mittelalterliche Waffen und Rüstungen in Handarbeit. Museen und Sammler aus ganz Europa kaufen seine Speere, Spieße, Wamse und Kettenhemden.

Robin und einige Kollegen vermitteln Touristen auf ihren nachgebauten Gabaren einen Eindruck vom Leben der Bergbauern und Lastkahnfahrer früherer Zeiten. Seit mehr als 20 Jahren steuert der Bretone, den es vor langer Zeit vom Meer an den Fluss verschlagen hat, das vier Tonnen schwere Holzboot über den 33 Kilometer langen See. Die mehr als vier Meter langen, baumstammdicken Ruder hängen nur noch zur Dekoration am Heck. Ein gleichmäßig tuckernder Dieselmotor und ein Lenkrad leisten die Arbeit der Ruderer. Wo früher die Fracht lagerte, sitzen heute Touristen, die in die seit fast 50 Jahren unberührten, dichten Wälder am Ufer schauen, die Ruine eines verlassenen Bauernhauses bestaunen oder den Milan beobachten, der schreiend seine Kreise über den Wipfeln zieht. "Jeder Baum", sagt Robin, "hat sein eigenes Grün und kein Kieselstein gleicht dem anderen. Zu jeder Tageszeit taucht das Licht die spiegelnde Fläche des Stausees, die Felsen und die Wälder am Ufer in andere Farben. Wer seine Sinne öffnet, sieht und hört immer etwas, auch hier in der vermeintlichen Stille. "Die Augen und Sinne öffnen", sagt Robin, "ist die Lebenskunst der Menschen hier in diesem Land". Als einer der letzten Gabarier auf der Dordogne hat der nachdenkliche 50jährige sein Glück gefunden. "Mein Boot", sagt er, "heilt meine Seele".


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