Die Philippinen nach den Wahlen 2016

Ein Land im Wandel
Die Philippinen nach den Wahlen 2016

„If you will come next time, maybe you´ll find some concentration camps in this country“, philosophiert der alte Taxifahrer in Ilo-Ilo auf Panay.

Rodrigo Duterte, der neue starke Mann in der Politik, wird nach gewonnener Wahl nunmehr im Juli 2016 die Präsidentschaft antreten. Der ehemalige Bürgermeister von Davao gilt als Hardliner, der sich auf seinen Wahlplakaten gerne als eine Mischung aus Chuck Norris und John Wayne inszeniert. In seiner Amtszeit auf Mindanao war er verantwortlich für den Tod zahlreicher Menschen, die selbst wegen Zigarettendiebstahl exekutiert wurden. In einer Pressekonferenz im Juni rechtfertigte er gar die Morde an kritischen Journalisten – Berichte über Bestechung und Korruption sind nicht sonderlich beliebt beim zukünftigen Präsidenten. Insider vermuten, dass hinter Duterte die mächtige Ayala-Familie als Strippenzieher fungiert. Das Philippine Center for Investigative Journalism PCIJ dokumentiert seit Jahren nicht nur diese dubiosen Verflechtungen von Politik und Wirtschaft. Eine Reise durch ein Land im Umbruch:

In Manila haben Koreaner, Chinesen und Araber die großen europäischen, amerikanischen und australischen Touristenströme abgelöst. Eine Handvoll Backpacker wartet im Wanderer´s Guesthouse in der Adriatico Street auf den Weiterflug nach Palawan oder Boracay, während in den einschlägigen Bars von Ermita die Umsätze zur Happy Hour blühen. „Our beer is as cold as your girlfriends heart“ , verspricht ein Werbeschild über der Bar im legendären Club G-Point.

Im LA Café schreibt eine Taubstumme auf eine Serviette „Fucking 1500 Peso“ und schiebt das Papier neuen Gästen zu. Maylu kommt aus der Provinz in Luzon und reist regelmäßig für ein paar Tage mit dem Bus an, um den Unterhalt für Ihr Kind zu verdienen. Es ist Schulanfang und nun möchte sie ihrer Tochter gerne einen bunten Rucksack kaufen, der umgerechnet etwa zwanzig Euro kostet. Sie präsentiert Fotos auf ihrem Smartphone, das ein kleines Mädchen mit ausgestreckten Händen zeigt: „She is always hungry“. Der Vater ist längst verschwunden und Unterhaltszahlungen sind hier unbekannt. Andere Mädchen schuften in den Restaurants für umgerechnet sechs Euro Tageslohn, viele hoffen auf den reichen Ausländer, der intern oft nur abfällig „Fucking Foreigner“ genannt wird. Fast alle sind auf irgendwelchen Dating-Plattformen mit gepimpten Profilen vertreten. Kim kommt aus Butuan auf Mindanao und muss Mutter sowie Schwester versorgen. Das Smartphone bimmelt ständig, die Bitten um Geld werden drängender. „That´s life“, seufzt sie und macht sich auf den Weg zur nächsten Western Union Filiale, um etwa vier Euro nach Mindanao zu überweisen. Von Duterte will hier keiner etwas wissen, droht dieser doch auch mit der Schließung vieler Nachtclubs und Bars, an denen die Existenzen ganzer Familien hängen.

Auf dem Boot von Batangas nach Puerto Galera auf Mindoro drängt sich ein betrunkener, bulliger Mann aggressiv zwischen seine Mittreisenden auf die Sitzbank. Er stellt sich als neuer Polizeikommandant von Puerto Galera vor, zückt rasch einen billigen Ausweis und trägt eindeutige Tätowierungen auf der linken Hand. „Did you had any problems in Puerto Galera?“ fragt er mehrfach drängend mit schwerer Zunge und gibt sich als ein politischer Freund Dutertes aus. Er wird aufdringlich, provoziert mit intimen Fragen und will mehrfach Bier und Brandy teilen. Die mitreisenden Filipinos schweigen respektvoll, wissen sie doch um die Macht dieses Mannes. Willkürliche Verhaftungen, Polizeigewalt, Korruption, Folter in Haft – Amnesty International führt zu diesen Themen lange Listen.

Auch viele Ausländer wurden in der Vergangenheit Opfer dieses Systems: Hoteliers und Gastwirte, die kein Schutzgeld an Polizisten zahlen wollten, wurden oftmals Drogen untergeschoben. Am Flughafen von Manila werden auch Patronen in Rucksäcke und Koffer geschmuggelt, um einen Grund für lukrative Verhaftungen zu finden. Wer von einer Filipina der Vergewaltigung bezichtigt wird – oft ein beliebtes Rachemotiv nach kaputter Beziehung –, verliert gar die diplomatische Unterstützung der deutschen Botschaft. Selbst deutsche Rentner wurden schon inhaftiert. Wer das Gefängnis überleben sollte, bleibt Zeit seines Lebens ein kaputtes Wrack.
Sinulog festival in cebu city of Philippines.
Aerial view on Makati city - modern financial and business district of Metro Manila, Philippines
Trycicle auf den Philippinen / Trycicle on the Philippines
MANILA, PHILIPPINES - APRIL 01, 2012: Morning traffic on the street in Manila, Philippines. Metro Manila is the most populous area in the Philippines with an estimated population of 16,300,000
„Have more fun in the Philippines“, lautet die touristische Kampagne vom philippinischen Fremdenverkehrsamt dazu.

Nach 17 Stunden Fahrt von Batangas läuft der rostige Dampfer Sibuyan Island bei Romblon an. Die isolierte Insel gilt als das Galapagos der Philippinen, beeindruckt durch eine ursprüngliche Wildnis, indigene Hilltribes und den mächtigen Berg Guiting-Guiting, der in einem mehrtägigen Aufstieg bezwungen werden kann. Touristen verirren sich kaum hierher, zu beschwerlich ist die Anreise. Ein Mitarbeiter von WWF erzählt am Markt, dass nun ein Flughafen gebaut wurde, der die Insel mit Manila verbinden wird.

Es herrscht Goldrausch im philippinischen Fremdenverkehrsamt: Selbst die abgelegensten Provinzen sollen nun entwickelt und erschlossen werden. Nachdem die ehemalige Trauminsel Boracay – Landraub und Mord inklusive - komplett verschandelt wurde und Orte wie Palawan oder Bohol überlaufen sind, besteht Bedarf an neuen Investitionsobjekten. Von San Fernando legt die Zehn -Meter-Banca schließlich in Richtung Panay ab. Es folgt eine fünfstündige Seefahrt über das offene Meer mit zu wenig Schwimmwesten und zockender Mannschaft. In den Pappkartons krähen hin und wieder die Kampfhähne durch Luftlöcher, ansonsten hört man nur das monotone Dröhnen des Schiffsdiesels und das Plätschern der Bugwelle.

In Roxas auf Panay dämmert es bereits, als der Muezzin über Lautsprecher Allah preist. Duterte steht Malaysia nahe und unterstützt die islamische Bewegung auf den Philippinen konsequent. So wird in den Restaurants auch kein Bier oder Alkohol verkauft, erst im Nachtclub Airforce 21 fließt wieder das San Miguel Pilsen. „Hey Joe“, begrüßt man hier den vermeintlichen Amerikaner erleichtert. Vielen der katholischen Filipinos ist das islamische Gespenst unheimlich und man freut sich über jeden westlichen Besucher. „I have relatives in the US“, strahlt der Türsteher und versichert, dass er Amerikaner und Europäer mag. Auf dem Bildschirm läuft ein altes Musikvideo von Jon Bovi, während ein übergewichtiger Transvestit die Bestellung aufnimmt und sich ein halbes Dutzend Mädchen lustlos an der Stange dreht. Die reizlose Kleinstadt-Atmosphäre wird durch das schmuddelige Ambiente nicht ansehnlicher.

In Bacolod auf Negros wird das Drogenproblem der Philippinen offensichtlich: Müll stapelt sich in den Straßen an der Busstation und Wand-Graffities mahnen Shabu-Dealer, dass Duterte kurzen Prozess mit ihnen machen werde. Nicht nur Mexikaner und chinesische Triaden mischen in dem einträglichen Geschäft ebenfalls mit. Vor der Bacolod Pension in einer Seitenstraße kampieren mehrere Tricycle-Fahrer in ihren rostigen Fahrzeugen – ein handgemaltes Holzschild weist die Gang als Kawayan Boys aus. Einige sind gerade aus dem Gefängnis entlassen, andere rauchen Shabu, alle sind tätowiert. Ein paar Straßen weiter speist ein wohlhabendes Pärchen mit Kind und Nanny in einem Food Park. Das Kindermädchen trägt einen sterilen rosafarbenen Anzug wie eine Krankenschwester und zieht das kleine Mädchen jedesmal sofort weg, sobald es etwas anfässt und spielen möchte. Die Temperatur um die kleine Gruppe sinkt gefühlt von feuchter Tropenhitze auf Eiseskälte. Die Elite des Landes schreckt ab.

Dumaguete City im südlichen Negros ist das Tor zu Siquijor Island und dem beliebten Tauchspot Apo Island. Nicht wenige Ausländer haben sich hier niedergelassen, darunter auch etliche Biker in gesetztem Alter. In nur wenigen Wochen schossen auf Siquijor Island neue Restaurants wie Pilze aus dem Boden, die Insel gilt gerade unter preisebewussten Backpackern als Eldorado. Nun kann man hier auch Firedance-Shows besuchen und in Wasserbällen eingehüllt über einen See laufen. Das philippinische Fremdenverkehrsamt macht wieder einmal ernst mit seiner Drohung, den ganzen Archipel für den Tourismus erschließen zu wollen. Und alle möchten ein Stück vom Kuchen abhaben – während die Italiener Moalboal auf Cebu unter sich aufgeteilt haben, können hier noch philippinische Clans in Beach Resorts und Gastronomie investieren. In fast jeder größeren Hotelanlage wird derzeit gewerkelt und renoviert, mit Preissprüngen nach oben ist fest zu rechnen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die düstere Vorhersage des Taxifahrers aus Ilo-Ilo nicht erfüllen wird.

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Text Copyright: Ralf Falbe 2016
Fotos: Ralf Falbe Bildagentur Zoonar
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